BikeBox persönlich

Auf Pässetour mit dem Rennrad

Daniela Schneider
Oktober 15th 2021

Die Mission: 5 Tage, 7 Alpenpässe, 565 Kilometer, 11‘443 Höhenmeter.
Ein Erfahrungsbericht.

Irgendwo zwischen Himmel und Hölle, zwischen scheuen Sonnenstrahlen und gemeinem Dauerregen, zwischen atemberaubenden Panoramablicken und mystischem Nebeltanz, irgendwo zwischen himmelhochjauchzend und etwas entgeistert, da fahren sie: Michelle Schläpfer, begleitet von Sam Buchli.

Das Material

Richtig Packen muss geübt sein: Die schweren Sachen sollten möglichst nahe am Rahmen sein. Was schnell erreichbar sein muss, gehört erst am Schluss rein.
  • Rahmentasche
  • Satteltasche
  • Rennrad T-Shirt
  • Rennrad Top (ohne Ärmel)
  • Base Layer mit Ärmeln
  • T-Shirt
  • Ärmlinge
  • Windshield Jacke
  • Daunen Jacke
  • Rennrad Shorts
  • Shorts
  • Trainerhose
  • 3/4 Regenhose
  • 1 Set Unterwäsche
  • 2x Socken
  • Toilettenartikel inklusive Tape, Sonnencreme, Blasenpflaster und 1. Hilfe Set
  • Pumpe
  • 2x Bidon
  • Ladekabel Handy & Garmin
  • Handy & Garmin Edge 1030
  • Garmin Bike Mount & Batterie
  • Sonnenbrille
  • Helm
  • Rennrad Schuhe
  • Turnschuhe
  • 7x Winforce Gel
  • 7x Winforce Panforte

Jede erfolgreiche Tour braucht eine gute Vorbereitung. Eine Tour zu planen macht mir fast so viel Freude wie die Tour selber. Ich nutze dazu «Outdooractive», kann aber auch «TopoSchweiz» empfehlen. Während der Tourenplanung kommt so richtig Freude auf. Auf das, was ich nicht planen kann. Auf die Freiheit, den Wind in den Haaren, auf die Natur und auf eine Woche ohne Laptop. Ich finde: Erst die Pässe, die man mit dem Velo bezwungen hat, versteht man wirklich. Mein Velo kommt frisch vom Service bei BikeBox, ist gepackt mit funktioneller Kleidung, Toolbox und Nahrung für zwei Tage. Das ganze Bike-Packing habe ich vorgängig an einem Wochenende getestet. Da ich mich unter hoher Belastung nicht ganz einfach ernähren kann, ist meine bewährte Sportlernahrung per Post ins Hotel im Engadin unterwegs.
Auf was ich mich besonders freue? Auf die Fahrt vom Maloja Pass nach Celerina. Hier kommen Jugenderinnerungen von meiner Inlinezeit auf. Mit etwas Glück bläst uns der Malojawind das Tal runter. Wir sind bereit.

Die Abenteurer

Michelle

Michelle ist oft nicht zu Stoppen. Erst recht nicht, wenn sie sich für etwas entschieden hat. Wenn eine Person für BikeBox unabdingbar ist, dann ist es Michelle. Nicht nur im Geschäft gibt sie Gas, sondern auch in ihrer Freizeit, die sie diesen Sommer vor Allem auf dem Rennvelo verbracht hat. Zusammen mit Partner Sam Buchli (glücklicherweise ein top Fotograf) hat sie die Alpenpässe bestritten. Dieser Erfahrungsbericht stammt aus Michelles Feder.

Tag 1: Interlaken – Grimsel- Nufenen – Piotta

Über den alten Strassenteil des Grimselpasses

Es ist heiss. Sehr heiss. Endlich geht es los, nach Wetterkapriolen, gesundheitlichen Herausforderungen, zwei Planänderungen und langen Arbeitstagen ohne Bewegung ist radeln Freiheit pur. In Brienz überholt uns Marc Blanc, unser neuer Geschäftspartner von Backdoor in Grindelwald. Welch schöner Zufall. Mir fällt auf, dass unsere Firma schon wieder gewachsen ist. Erst jetzt, wo ich mich abseits des Arbeitsalltags bewege, realisiere ich, was wir in letzter Zeit alles erreicht haben. Meine klebrigen Beine und der zu hohe Puls reissen mich aus meinen Gedanken. Wir sind am Grimsel und ich leide. Kurze Pause in Ulrichen, dürebisse und ab auf den Nufenen. Welch herrlicher Tag.
Der Pass gehört den Radlern. Nur ich fühle mich elend. Wie soll ich diese Tour nur schaffen, wenn ich am zweiten Pass sterben möchte? Pause am Fluss. Füsse und Kopf kühlen, dann ist der Nufenen geschafft. Ich auch.

Tag 2: Piotta – Bellinzona – San Bernardino – Splügen

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„Ich hole mir die Energie aus der mystischen Stimmung“

Erst aufgestanden und schon in Bellinzona. Cool! Während dem Starkregen in Mesocco machen wir Mittagspause, dann gehts bei Nieselregen weiter. Einfach atemberaubend, diese Landschaft. Meine Kilometerangaben enden in San Bernardino Dorf. Doch zur Überraschung des Tages sind es nochmals 8 Kilometer und 450 Höhenmeter bis zum Pass. Mental werden die unvorbereiteten Kilometer zur Herausforderung. Ich hole mir die Energie aus der mystischen Stimmung und der Blumenpracht. Aus leichtem Regen wird kurz vor dem Splügen eine gefühlte Sintflut. Gut, ist das Hotel mit der heissen Dusche schon in Sichtweite.

Tag 3: Splügen Dorf – Thusis – Celerina (per Zug)

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Wenn Pläne über den Haufen geworfen werden.

Pläne sind da, um sie über Bord zu werfen. Wir haben zwar geniale Kleidung im Gepäck, aber bei dem Gewitter den Tagesplan durchzuziehen wäre unverhältnismässig. Wir radeln nach Thusis und steigen in den Zug nach Celerina. Obschon ich eingestehen muss, dass ich noch einige Male hadere. Die Meteobilder am Abend geben Gewissheit. So bleibt jetzt mehr Zeit, um Geburtstag zu feiern. Und das in einem fantastischen Hotel. Wir werden herzlich in Empfang genommen. Die Formalitäten? Werden auf später verschoben. Man sieht uns an, dass wir frieren. Wir erleben einen familiären 5-Sterne-Service. Sehr professionell und dennoch persönlich.


Diese Geschichte kommt aus dem BikeBox Magazin

Zweimal im Jahr drucken wir unser Magazin. Dort erzählen wir dir unsere Geschichten, zeigen die BikeBox Familie, neue Produkte und Innovationen. Du möchtest das Magazin nach Hause geschickt bekommen?


Tag 4: Celerina – Bernina , retour

So sah die Pause an einem Schönwetter-Tag aus.

Ruhetag? Wie gesagt – Pläne sind da, um sie über Bord zu werfen. Schliesslich hatten wir gestern unsere Energietanks geladen, jetzt nehmen wir den Berninapass in Angriff. Wie leicht das geht, so ganz ohne Gepäck. Am Nachmittag freuen wir uns über den Besuch von meinem Gottimeitschi und seiner Familie, welche wir im Cresta Palace zu Kaffee und Kuchen empfangen. Dabei erzählt uns ihr Vater Mario von Murgängen in Chiavenna. Jetzt sind wir einmal mehr happy, gestern den Zug genommen zu haben. Am Abend bleibt Zeit, unsere Rennvelos zu pflegen. Das Cresta ist super ausgerüstet mit einer Fahrradwerkstatt. Uns pflegen wir in der Sauna und beim feinen Risotto bei Giacomos und können die Weiterfahrt kaum erwarten.

Tag 5: Celerina – Julier – Tamins – Rueras (per Zug)

Die Hotel Chefin steckt uns direkt in den Heizungsraum.

Den Maloja- und den Splügenpass wollten wir unbedingt fahren. Doch bereits in St. Moritz sind die Füsse klatschnass, grollt uns der Donner um die Ohren und es regnet wie aus Kübeln. Wir zögern. Schliesslich entscheiden wir uns schweren Herzens für die Abkürzung über den Julierpass. Oben schlottern wir wie Schlosshunde – der bissige Wind macht die Situation noch unbehaglicher. Wir suchen Zuflucht im Hotel Post in Bivio. Die Chefin steckt uns direkt in den Heizungsraum, streckt uns Bademäntel und -Schlappen in die Hand und schmeisst unsere triefenden Kleider in den Tumbler. Warten und Tee trinken, Zmittag essen, der Wirtin
mehr als danken und spät am Nachmittag weiterziehen. In Tiefencastel können wir unsere Regenkleider ausziehen.

Als wir wieder losfahren, sehe ich zwei Rehe am Strassenrand. «Schau Sam, zwei Rehe»! Als Sam den Kopf zu mir dreht, damit er mich besser versteht, springen die beiden Tiere knapp vor seinem Rad vorbei. Die beiden Rehe verursachen doch tatsächlich die verkehrstechnisch heikelste Situation der Tour. Wie lustig, ja speziell. Wir haben noch eine andere heikle Situation zu diskutieren. Unseren Tourenplan. Denn die Zeit wird zu knapp für die vielen Kilometer via Rheinschlucht nach Rueras. Wir sind mal wieder realistisch und vernünftig und steigen in Tamins in den Zug. Wir sind
nicht nur müde, sondern auch etwas zermürbt, müssen wir doch schon wieder von unserer Planung abweichen.

Tag 6: Rueras – Oberalp – Susten – Interlaken

„Die Autofahrer trauen sich heute nicht raus und wir haben den ganzen Eindruck der Natur fast für uns alleine“

Der Wecker klingelt. Wir tun, was wir die letzten Tage immer als Erstes getan haben. Wir schauen aus dem Fenster, dann auf den Regenradar. Heute schalten wir den Wecker aus und schlafen weiter. Es ist 13 Uhr. Der Regen hat noch nicht genug, wir sollten aber los, wenn wir noch nach Hause wollen. So steigen wir, uns motivierende Parolen zurufend, in die Regenkleider und fahren bei Starkregen los. Ich versinke in der mystischen Stimmung, die am Pass herrscht und bis nach Andermatt runter anhält. Radeln ist schön.

Ja – wir hätten noch einen Tag verlängern können, um noch einen Tag lang nass und frierend die Pässe zu erklimmen. Aber die ewigen Gewitter und die Kälte sind wir leid. So trete ich mit guten Beinen den langen Anstieg auf den letzten Pass, den Susten hoch. Wow! Welch eine Stimmung. Die Autofahrer trauen sich heute nicht raus und wir haben den ganzen Eindruck der Natur fast für uns alleine, bis unsere Reise in Bönigen im Hotel Mama endet. Nur schade, dass die Reise schon zu Ende ist.

Das bleibt

Man kann noch so akribisch planen, das Leben hat jedoch seinen eigenen Plan. Gut, haben wir die Zeichen der Natur richtig gedeutet und sind lieber einmal mehr in den Zug gestiegen. Und gut, haben wir uns vom schlechten Wetter nicht abhalten lassen, wir hätten so manche unglaublich schöne Stimmung verpasst. Wir haben einmal mehr erfahren, dass wir uns nicht immer nur messen müssen und stolz auf das sein dürfen, was wir geleistet haben. Nun auf zur nächsten Tourenplanung. Wir sind gespannt, welche Überraschungen uns beim nächsten Abenteuer erwarten.


Und das Velo?

Michelle war mit ihrem treuen Tamac SL6 unterwegs. Speziell für diese Tour hat sie sich entschieden, nicht ihre normalerweise montierten, hohen Felgen zu nutzen. Damit sie Windstössen weniger ausgesetzt ist, sich weniger konzentrieren muss und so die Aussicht etwas mehr geniessen kann, hat sie die tiefen Felgen montiert.

Produkte

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